Gehirnwellen für Frieden

Aus dem Buch “Das Ende der Kriege” eines US-Kriegsveteranen

William T. Hathaway (siehe auch weiter unten)

Aus: “Neue Rheinische Zeitung – Berichte und Meinungen”

Volltext: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17522

Auszüge:

„Ich saß im Lotussitz mit geschlossenen Augen in meinem Zimmer, in Stille gehüllt, leicht atmend. Mein Mantra wurde über den bloßen Klang hinaus zu einem pulsierenden Licht in einer großen Leere, die alles enthielt. Plötzlich schoss ein elektrischer Schlag durch meine Wirbelsäule und von dort in meinen ganzen Körper. Mein Kopf schnellte zurück, die Gliedmaßen zuckten, und ein Schrei löste sich aus meiner Kehle.“ …

„Dann fegte ein Wirbelsturm an Bildern und Gedanken durch mich hindurch.“ …

„Zurück in Vietnam: Der Wind von Rotorblättern eines schwebenden Helikopters peitscht das Wasser eines Reisfeldes auf. Bauern rennen panisch in alle Richtungen und suchen Schutz. Aus einem Bambushain blitzen Feuerpunkte, die zu Heulern um meinen Kopf werden.“ …

„Ich hielt meinen Kopf fest und versuchte, die Bilder abzuschütteln, aber die Szenenmontage ging weiter und wollte raus. Ich konnte nur da liegen, überflutet von Trauer, Bedauern, Angst und Schuld. Mein Brustkorb fühlte sich an, als würde er zusammenfallen. Ich klammerte mich an mein Mantra wie an ein Rettungsseil. Ich atmete in kurzen, hastigen Zügen. Nach und nach wurden die Atemzüge tiefer und länger, und die Eindrücke wurden schwächer. Langsam kam ich wieder in der Gegenwart an, in meinem kleinen Zimmer in Spanien beim Lehrerausbildungskurs für Transzendentale Meditation.“ …

„Am nächsten Tag war ich verwirrt und gereizt und konnte kaum schlafen oder meditieren. Aber am Tag darauf fühlte ich mich erleichtert und entlastet – von einem riesigen Trauma befreit. Meine Meditationen waren wieder klar. Die Gewalt lag in der Vergangenheit und wütete jetzt nicht mehr in meinem Kopf.

Schrittweise nahm ich ein einzigartiges Glück wahr, das nicht nur mich durchdrang, sondern meine gesamte Umgebung. Irgendwie wusste ich, dass dieses Glück schon immer da war und tief in allem lebte, aber mein Schmerz hatte meine Wahrnehmung blockiert. Jetzt war ich eins mit dem Universum, nicht mehr gefangen in mir selbst, sondern vereinigt mit allem und jedem in einem Feld der Glückseligkeit. Dieses Gefühl verblasste, aber ich gewann einen flüchtigen Einblick in das Leben eines Erleuchteten.“

„Diese Erfahrung war ein eindrucksvolles Beispiel für „entstressen“, wie Maharishi Mahesh Yogi es nannte. Während der Transzendentalen Meditation befreit sich das Nervensystem von Blockaden, die von unseren vergangenen Handlungen stammen. Da mein Handeln extrem war, war auch der Heilungsprozess extrem.“ …

(Über Maharishi Mahesh Yogi)

„Eines seiner Lieblingsthemen war die Verbindung zwischen moderner und alter vedischer Wissenschaft. Nach seinem Magister in Physik studierte er Metaphysik bei einem der bedeutendsten Swamis und konnte so beide Welten miteinander verbinden. Er erklärte uns, dass das einheitliche Feld in der theoretischen Physik dasselbe ist wie unser eigenes Bewusstsein, und dass die elementare Ebene des Universums auch die elementare Ebene unseres Selbst ist. Und das Wichtigste: Er brachte uns bei, wie wir das einheitliche Feld erfahren können, wo die Dualität von Subjekt und Objekt verschwindet und zur Einheit wird. Das ist die Quelle der Schöpfung, ein Reich der Glückseligkeit, in dem nicht einmal die Vorstellung von einem Feind existieren kann. Aus dieser Ebene heraus manifestiert sich die Energie in Materie und Form. Erleuchtete Menschen erleben diese Ebene dauerhaft, und jeder kann sie beim Meditieren erfahren. Wer das erlebt hat, nimmt die Welt fortan anders wahr.“ …

„Ich habe bisher nichts erlebt, was einen ähnlich friedlichen inneren Wandel herbeiführt wie die TM. Die Persönlichkeit bleibt unverändert, aber Furcht und Feindseligkeit nehmen ab. Man wird freundlicher – zu sich selbst und zu anderen. Wenn sich unser persönlicher Stress verringert, funktioniert auch unser Geist besser, und wir können unser Potenzial effizienter nutzen. Zudem sind wir dadurch in der Lage, die Quellen sozialen Stresses besser zu erkennen und zu beseitigen.“

„Heute weiß man auch, dass diese Effekte über das Individuum hinausgehen. Wenn man in großen Gruppen meditiert, erzeugt das nicht nur Stabilität und Kohärenz in uns, sondern auch in unserer Umgebung. Dieser erweiterte Effekt wurde in Experimenten in Massachusetts, Rhode Island, Iowa, Washington D.C., Neu Delhi, Manila, Puerto Rico, Nicaragua, El Salvador, Iran und in den Niederlanden eindrucksvoll bestätigt. Dort kamen große Gruppen für einen längeren Zeitraum zu Meditationen zusammen. Das Erstaunliche: Während jeder Zusammenkunft sanken in der entsprechenden Region die Verbrechens-, Gewalt- und Unfallraten, gleichzeitig schnellte der für diesen Zeitraum gemessene Wert des Quality of Life Index, der allgemeine Gesundheit, Wirtschaft und soziale Harmonie berücksichtigt, nach oben. Alle Veränderungen waren statistisch hochsignifikant.“ …

„Ich selbst besuchte die Versammlungen in Washington D.C. und Iowa, und meine Erfahrungen waren wunderbar. Mit Tausenden von Menschen zu meditieren erhöht die Wirkungen. Die mentalen Schwingungen verstärken sich gegenseitig zu einem spürbaren Gruppenbewusstsein. Ich genoss dort tiefere Ebenen innerer Ruhe und klares Einströmen transzendentaler Energie. Während unserer Aktivitäten gingen wir so einfühlsam miteinander um, wie ich es nie zuvor in einer Gruppe von Menschen erlebt hatte. Ich spürte dort, wie eine ideale Gesellschaft aussehen könnte.“ …

“Gehirnwellen für Frieden“ ist ein Kapitel aus “Das Ende der Kriege”. Das Buch befasst sich mit dem wachsenden internationalen Widerstand gegen den Militarismus und schildert die Geschichten von Menschen, die alternative Wege zum Frieden verfolgen. Es wurde gerade vom JESBIN Verlag veröffentlicht, und weitere Auszüge sind auf http://www.jesbin.de/Buecher.html#panel-4 zu finden.

William T. Hathaways erstes Buch, “A World of Hurt”, erhielt für seine kritische Darstellung des US-Militärs den Rinehart Foundation Award. Er ist auch Autor der Romane “Summer Snow” und “CD-Ring”. Weitere Infos: http://www.peacewriter.org

Er hat an mehreren Hochschulen in den USA gelehrt und war Gastprofessor für Amerikanistik an den Universitäten Oldenburg und Bonn.
Online-Flyer Nr. 343 vom 29.02.2012

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17522

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